
Tobias`Ruheplätzchen.

Vor einer dichten Thujahecke, neben einem Ahornbaum, liegt das Grab von Tobias. Die weiße Madonna, der einzige figürliche Grabstein auf dem Friedhof, leuchtet schon von weitem. Eine Madonna wählten wir, weil Tobias sie kindlich liebte. Die Geschichte von Maria und Jesus kannte er genau. Und seine
"Maria Gottes"
sollte an seinem letzten Ruheplätzchen über ihn die Hände ausbreiten. Ich sitze oftmals auf dem Bänkchen, das unter dem Ahorn steht, und schaue in das liebliche Gesicht von Maria. Und ich muß sagen, ich fühle mich getröstet. In meiner Trauer verstanden. Und diese Trauer, die in all den Jahren nicht weniger, aber stiller geworden ist, verbindet mich mit Maria. Auch sie hat um ihren Sohn getrauert. Auch sie hat geweint und sich nach ihm gesehnt !! Sicherlich hat auch sie nicht verstanden, warum ihr der Sohn genommen wurde !!! Maria tröstet mich immer wieder. Obwohl ich evangelisch bin, habe ich eine enge Bindung an sie. Ich verehre sie. Wie die meisten Christen. Sie schaut uns ja auch in jeder Kirche -in irgend einer Form- an. Sei es figürlich oder bildlich. Sehr viele Lieder, mit wunderschönen Melodien, sind ihr allein gewidmet. In Maiandachten gedenken die Menschen ihrer besonders und es ist einfach wunderschön, diese schönen Lieder zu hören und mitzusingen. Auch Tobias mochte diese Lieder sehr. In der letzten Maiwoche 1983 waren wir in einer Maiandacht und er war ganz begeistert von den Liedern. Zuhause nahm er seine Trommel und trommelte drauflos. Als ich ihn um etwas mehr Ruhe bat, sagte er: "Aber ich spiele doch ein Lied für die Maria Gottes!!!"--- Was sollte ich daraufhin sagen ?????? Es war sein getrommeltes Lied zu Ehren Maria`s. Diese Erinnerungen begleiten mich wohl ein Leben lang. Und sie tun gut !!! Sicherlich hat jede Mutter, die ein Kind verlor, solche Erinnerungen, die sie niemals, niemals missen möchte !!!

Es blüht, den Engeln wohlbekannt, in Gottes Paradiese, die schönste Ros aus heil`gem Land, von Farb und Duft so süße. Sie übertrifft der Sonne Glanz, ihr Schein durchdringt die Wolken ganz, auf wunderbare Weise.
Die schöne Rose, die ich mein, die alle Welt erfreuet, bist du, Maria, Jungfrau rein, von Gott gebenedeiet. Du Gott des Vaters Tochter bist, du wahre Mutter Jesu Christ, du Braut des Heilgen Geistes.
Drum kein Geschöpf im Himmel ist dir, Jungfrau, zu vergleichen; denn du nach Gott die Höchste bist, all Schönheit muß dir weichen. Es hüllt dich ein der Sonne Glanz, dein Haupt umgibt ein Sternenkranz, du bist das große Zeichen !
(Klausener Wallfahrtslied, 1712 )

Maria, breit den Mantel aus, mach Schirm und Schild für uns daraus, laß uns darunter sicher stehn, bis alle Stürme vorüber gehn! Patronin voller Güte, uns allezeit behüte !
Dein Mantel ist sehr weit und breit, er deckt die ganze Christenheit, er deckt die weite, breite Welt, ist aller Zuflucht und Gezelt. Patronin voller Güte, uns allezeit behüte !
Maria, hilf der Christenheit, zeig deine Hilf uns allezeit; mit deiner Gnade bei uns bleib, bewahre uns an Seel und Leib ! Patronin voller Güte, uns allezeit behüte !
(Wallfahrtslied, 18.Jahrhundert)

Maria zu lieben, ist allzeit mein Sinn; in Freuden und Leiden ihr Diener ich bin. Mein Herz, o Maria, brennt ewig zu dir, in Liebe und Freuden, o himmlische Zier.
Maria, du milde, du süße Jungfrau ! Nimm auf meine Liebe, so wie ich vertrau ! Du bist ja die Mutter; dein Kind will ich sein, im Leben und Sterben dir einzig allein.
Gib, daß ich von Herzen dich liebe und preis; gib, daß ich viel Zeichen der Liebe erweis! Von dir mich nichts scheidet, nicht Unglück noch Leid; dich lieb ich auf ewig, dich lieb ich allzeit.
Du Trost der Betrübten, zur Hilf sei bereit; du Stärke der Schwachen, beschütz mich im Streit; wenn wider mich kämpfen Fleisch, Hölle und Welt, sei du mir als Zuflucht zur Seite gestellt !
(18.Jahrhundert)

So nimm denn meine Hände, und führe mich, bis an mein selig Ende und ewiglich. Ich kann allein nicht gehen, nicht einen Schritt. Wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit.
In dein Erbarmen hülle mein schwaches Herz, und mach es gänzlich stille in Freud und Schmerz. Laß ruhn zu deinen Füßen dein armes Kind. Ich will die Augen schließen und glauben blind.
Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele, auch durch die Nacht. So nimm den meine Hände und führe mich, bis an mein selig Ende - und ewiglich !!!

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