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Geschichten, aus meiner Feder,

über Engel und von Engeln.


            

Mondenglanz, Sonnenglitter und Sternenstaub

Ein kleiner Engel saß auf seiner Wolke und ihm war schrecklich langweilig. Und da Langeweile auch erfinderisch macht, dachte der Engel: "Ach, ich fliege mal ein wenig durch die Lüfte und schaue mich mal um."
Das tat er auch, und er sah den Mond. Er flog zu ihm und begrüßte ihn: "Hallo, Mond, dein Mondenglanz ist wunderschön. Du glänzt ganz herrlich!" "Ja", sagte der gute alte Mond,"mein Mondenglanz erfreut die Menschen ungemein. Mein Glanz ist das Schönste auf der ganzen Welt!" Der Engel erwiderte:
"Wirklich wahr, dein Glanz ist so wunderschön, so etwas gibt es nicht noch einmal." Dann sah der Engel die Sterne leuchten und flog zu einem hin. Er begrüßte den Stern und sagte: "Hallo, du Stern, ich habe deinen Sternenstaub gesehen, du blinkerst ja wunderschön." "Ja," sagte der Stern, "mein Blinkern ist so wunderschön, es ist das Schönste auf der Welt." Das konnte der Engel nur bejahen. Dann sah der kleine Engel die Sonne. Schnell flog er zu ihr und begrüßte sie:"Hallo, Sonne, dein Sonnenglitter strahlt ganz wunderbar!" "Ja,"sagte die Sonne"ich verteile meine Sonnenglitter-Strahlen über die ganze Welt. Etwas Schöneres gibt es nicht." "Das ist wahr", sagte der Engel,"etwas Schöneres sah ich wirklich noch nie." Dann flog er wieder zu seiner Wolke. Lange Zeit verbrachte er dort. Er erfreute sich am Sternenstaub, am Mondenglanz und am Sonnenglitter. Und da jeder von ihnen meinte, sein Glanz, sein Staub und sein Glitter sei das Schönste auf der ganzen Welt, konnte der kleine Engel sich nicht entscheiden, wer nun Recht hatte. Für ihn waren alle drei schön.
Der kleine Engel wurde groß und eines Tages wurde er einem Menschen als Schutzengel zugewiesen. Noch niemals war er einem Menschen begegnet. Wußte gar nicht, wie die Menschen aussahen. Sein Mensch, dem er als Schutzengel dienen sollte, war ein Mädchen, das Julia hieß. Als er zu ihr hinflog, saß sie gerade am Tisch und malte. Es war ein trüber Tag. Graue Wolken hingen am Himmel und die Sonne hatte sich dahinter versteckt. Alles war grau und trostlos.
Der Engel stellte sich hinter den Schreibtisch -für Julia natürlich unsichtbar- und schaute sich sein Menschenkind ganz genau an. Er war in seine Betrachtung versunken, als sich die Wolke verzog und die Sonne ihre Sonnenglitter-Strahlen auf die Erde schickte, und auch durch das Fenster zur Julia. Diese schaute von ihrem Bild auf und freute sich über den Sonnenschein. Ihr Gesicht reckte sie freudig der Sonne entgegen. Der Engel sah das Funkeln, dieses herrliche Funkeln und Blitzen ihrer Augen, und war geblendet ! Unverwandt sah er das kleine Mädchen Julia an und wußte in diesem Moment: Sternenstaub, Mondenglanz und Sonnenglitter verblaßten gegen die Schönheit des Funkelns und Blitzens von Julia`s Augen. Das Blitzen der Augen seines Menschenkindes
war das Schönste auf der ganzen Welt !!!


(c) Marion Löffler 


Engelchen Tobias, die Taube und die Blume.

Auf seiner kleinen Wolke saß das Engelchen Tobias und war traurig. Keiner hatte Zeit mit ihm zu spielen, keiner wollte ihm vorlesen, keiner ihn aufheitern. Ach, er ließ sein Köpfchen hängen --- und --- sah hinunter auf die Erde. Auf dem Buchenbacher Friedhof sah er seine Mutter an seinem Grab. Auch sie war traurig, pflanzte schöne Blumen auf das Grab und dachte an ihren Tobias. Wo er wohl war, was er wohl machte ??? In ihrem Herzen wußte sie, daß er ein Engelchen war. Ein kleiner Engel mit wunderschönen Flügeln.--- In der Nähe des Grabes saß eine Taube. Diese schaute der Frau beim Pflanzen zu.  Nach einer Weile war die Frau mit dem Bepflanzen des Grabes fertig, stand vor dem Grab und dachte an ihren Tobias. Da sah sie ein Blütenköpfchen, das am Boden lag. Gerade, als sie sich danach bücken wollte, flog die Taube schnell herbei, nahm die Blüte in ihren Schnabel und flog davon. Tobias`Mutter lächelte und schaute der Taube nach. "Kleine Taube, flieg zu meinem Tobias und bring ihm die Blüte, damit er weiß, daß ich immer an ihn denke" !!! --- Im Himmel hatte Tobias diese kleine Szene beobachtet und war dadurch noch trauriger geworden. Die Sehnsucht nach seiner Mutti war riesengroß. Da, auf einmal kam eine Taube angeflogen. Tobias streckte sein kleines Händchen aus, und --- die Taube setzte sich darauf und legte die Blüte auf seine Hand. "Du, deine Mutti schickt dir diese Blume und läßt dir sagen, daß sie immerzu an dich denkt"!!!

Da freute sich Tobias und war gar nicht mehr traurig. Denn seine Mutti dachte ja immer an ihn !!! Und er wußte: Wer im Herzen eines anderen wohnt, ist niemals allein !!!

(c) Marion Löffler

Eingeschlafen...

Tobias war mal wieder mit Pfeil und Bogen unterwegs, denn er wollte sich als "Engel Amor" versuchen. Das war gar nicht so einfach. Überall gab es Menschen, die auf die Liebe und einen Partner warteten. Den Richtigen für die Richtige zu finden, war wirklich sehr, sehr schwer. Der Engel Amor übernimmt da eine große Verantwortung. Aber Tobias, in seiner kindlichen Art, wußte nichts von dieser Verantwortung !!! Für ihn war das Schießen einfach nur schön. Er traf mal hier, mal dort. Er schoß wahllos durch die Gegend. Sogar die alten Menschen in der Senioren-Anlage waren vor ihm nicht sicher. Und die alten Menschen mochte er sehr gerne, hatte er doch noch seine Oma und seinen Opa in bester Erinnerung. Auf einmal waren in dem Seniorenheim viele "verliebte Leute " !!! Ja, Tobias hatte seinen Spaß daran, die einsamen, alten Herzen "zusammenzuführen". Das fand er sehr lustig und die Verliebtheit der Leutchen fand er einfach schön. Alle waren auf einmal wieder sehr lebendig, sehr fröhlich und keiner ging mehr einsam und griesgrämig durch das Heim. Die Liebe hatte alle alten Leute ergriffen. Das hörte auch der große Engel, der Tobias zu beaufsichtigen hatte. Aber, bei diesem kleinen Schelmen-Engel Tobias war das ja gar nicht so einfach. Immer war er unterwegs und oftmals nicht aufzufinden. Der große Engel wollte Tobias Pfeil und Bogen wegnehmen. Damit er nicht noch mehr alte Leute traf. Also ging er auf die Suche - und wo fand er ihn ??? Natürlich im Garten der Senioren-Anlage. Er saß auf einer Bank im Pavillion. Neben ihm lag der Bogen. Ein Pfeil war nicht dabei. Tobias erwachte, als er berührt wurde, er schaute dem großen Engel verwundert ins Gesicht. "Wo ist der Pfeil, Tobias ?" ---- "Oh, der Chef der Senioren-Anlage hat ihn mir nicht zurückgegeben." ---"Warum denn nicht ?" wollte der große Engel wissen. "Er hat gesagt, ich bekomme den Pfeil nicht mehr wieder. Ich solle mehr die jungen Leute mit meinem Pfeil treffen. Wenn ich jetzt hier die Pfeile durch die Gegend schieße, würde vielleicht am Ende noch jemand an "gebrochenem Herzen" sterben. Ich soll noch üben, hat der Heimleiter zu mir gesagt !!!"

"Na", sagte lächelnd der große Engel zu Tobias, "komm wir fliegen wieder in unseren Himmel hoch  und dann üben wir ... !!!"

(c) Marion Löffler

 

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Geschichten von anderen:

 

  Der Engel Gottes

 

Jedesmal, wenn ein gutes Kind stirbt, kommt ein Engel Gottes zur Erde hernieder, nimmt das tote Kind auf seine Arme, breitet die großen, weißen Flügel aus und pflückt eine Handvoll Blumen, die er zu Gott hinaufbringt, damit sie dort noch schöner als auf der Erde blühen.

Gott drückt sie dort an sein Herz, aber der Blume, die ihm die liebste ist, gibt er einen Kuß, und dann bekommt sie Stimme und kann in der großen Glückseligkeit mitsingen.

Sieh, alles dieses erzählte ein Engel Gottes, während er ein totes Kind zum Himmel forttrug,und das Kind hörte wie im Traume; sie flogen über die Stätten in der Heimat, wo das Kleine gespielt hatte, und kamen durch Gärten mit herrlichen Blumen.

"Welche wollen wir nun mitnehmen und in den Himmel pflanzen?" fragte der Engel.

Da stand ein schlanker, herrlicher Rosenstock, aber eine böse Hand hatte den Stamm abgebrochen, so daß alle Zweige, voll von großen, halb aufgebrochenen Knospen,vertrocknet rundherum hingen. "Nimm ihn, damit er oben bei Gott zum Blühen kommen kann!"

Und der Engel nahm ihn, küßte das Kind dafür, und das Kleine öffnete seine Augen zur Hälfte. Sie pflückten von den reichen Prachtblumen, nahmen aber auch die verachtete Butterblume und das wilde Stiefmütterchen!

"Nun haben wir Blumen!" sagte das Kind, und der Engel nickte, aber er flog noch nicht zu Gott empor.

Es war Nacht und ganz still; sie blieben in der großen Stadt und schwebten  in einer der schmalen Gassen umher, wo Haufen Stroh und Asche lagen; es war Umzug gewesen.Da lagen Scherben von Tellern, Gipsstücke, Lumpen und alte Hutköpfe, was alles nicht gut aussah. Der Engel zeigte in allen diesen Wirrwarr hinunter auf einen Klumpen Erde, der da herausgefallen war. Von den Wurzeln einer großen vertrockneten Feldblume, die nichts taugte und die man deshalb auf die Gasse geworfen hatte, wurde er zusammengehalten. "Die nehmen wir mit!" sagte der Engel."Ich werde dir erzählen, während wir fliegen!"

Sie flogen, und der Engel erzählte; "Dort unten in der schmalen Gasse, in dem niedrigen Keller, wohnte ein armer, kranker Knabe. Von seiner Geburt an war er immer bettlägerig gewesen; wenn es ihm am besten ging, konnte er auf Krücken die kleine Stube ein paarmal auf und nieder gehen, das war alles.

An einigen Tagen im Sommer, fielen die Sonnenstrahlen während einer halben Stunde bis in den Keller hinab, und wenn der Knabe dasaß und sich von der Sonne bescheinen ließ, und das rote Blut durch seine feinen Finger sah, die er vor das Gesicht hielt, dann hieß es:"Heute ist er aus gewesen!"

Er kannte den Wald in seinem herrlichen Frühjahrsgrün nur dadurch, daß ihm des Nachbars Sohn den ersten Buchenzweig brachte, den hielt er über seinem Haupte und träumte dann unter einer Buche zu sein, wo die Sonne scheint und Vögel singen.

An einem schönen Frühlingstage brachte ihm des Nachbars Knabe auch Feldblumen, unter diesen war zufällig eine Wurzel, deshalb wurde sie in einen Blumentopf gepflanzt und am Bette neben das Fenster gestellt. Die Blume war mit einer glücklichen Hand gepflanzt, sie wuchs, trieb neue Zweige und trug jedes Jahr ihre Blumen; sie wurde des kranken Knaben herrlichster Blumengarten, sein kleiner Schatz hier auf Erden; er begoß und pflegte sie und sorgte dafür, daß sie jeden Sonnenstrahl, bis zum letzten, der durch das niederige Fenster hinunterglitt, erhielt; die Blume selbst verwuchs mit seinen Tränen, denn für ihn blühte sie, verbreitete sie ihren Duft und erfreute das Auge; gegen sie wendete er sich im Tode, da der Herr ihn rief.

Ein Jahr ist er nun bei Gott gewesen, ein Jahr hat die Blume vergessen im Fenster gestande und ist deshalb verdorrt und wurde deshalb beim Umziehen hinaus auf die Straße geworfen.

Und dies ist die Blume, die vertrocknete Blume, die wir mit in unseren Blumenstrauß genommen haben, denn diese Blume hat mehr erfreut als die reichste Blume im Garten der Königin!"

"Aber woher weißt du das alles?" fragte das Kind, das der Engel gegen Himmel trug.

"Ich weiß es"; sagte der Engel," denn ich war selbst der kleine, kranke Knabe, der auf Krücken ging; meine Blume kenn ich wohl!"

Das Kind öffnete seine Augen ganz und sah in des Engels herrliches frohes Antlitz hinein,und im selben Augenblick befanden sie sich in Gottes Himmel, wo Freude und Glückseligkeit waren.

Gott drückte das tote Kind an sein Herz, und da bekam es Schwingen wie der andere Engel und flog Hand in Hand mit ihm.

Gott drückte alle Blumen an sein Herz, aber die arme verdorrte Feldblume küßte er, und sie erhielt Stimme und sang mit allen Engeln, welche Gott umschwebten, einige ganz nahe, andere um diese herum in großen Kreisen und immer weiter fort in das Unendliche, aber alle gleich glücklich.

Und alle sangen sie, klein und groß, samt dem guten, gesegneten Kinde und der armen Feldblume, die verdorrt dagelegen hatte, hingeworfen in den Kehricht des Umziehtages, in der schmalen, dunklen Gasse!

© Hans Christian Andersen 

 



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